Texte zum Thema

 (Zusammenfassungen und Download-Möglichkeit)


 -Elemente psychischer Verarbeitung der Organtransplantation (download als pdf-Datei)

Auszug aus Hans-Rudolf Müller-Nienstedt: "Geliehenes Leben: Konsequenzen und Forderungen aus Organtransplantationen"
In: Jahresband der Lindauer Tagung der Internationalen Gesellschaft für Tiefenpsychologie 1999 "Psyche und Transzendenz im gesellschaftlichen Spannungsfeld"
Aufgrund von Träumen erwachsener Transplantierter (s. dazu auch die Seite "Träume vor und nach der Transplantation") vor und nach der Transplantation und aufgrund von Material aus der Therapie mit einem Kind, das im Alter von 11 Monaten transplantiert worden war werden in dem Text verschiedene Aspekte psychischer Verarbeitung der Organtransplantation beleuchtet. Als Orientierungshilfe diente mir ein Themen-Raster, der im Rahmen einer psychoanalytischen Studie zur Lebertransplantation 1998 an der Sorbonne in Paris durchgeführt wurde . Folgende Aspekte wurden untersucht:

Elemente psychischer Verarbeitung der Organtransplantation

1. Ängste im Zusammenhang mit Transplantationen
2. Verlust und Trauer
3. Abwehrmechanismen
4. Schuldgefühle
5. Psychische Integration des transplantierten Organs und Selbstbild nach der Transplantation

 -Konsequenzen und Forderungen aus Organtransplantationen (download als pdf-Datei)

Auszug aus
Hans-Rudolf Müller-Nienstedt: "Geliehenes Leben: Konsequenzen und Forderungen aus Organtransplantationen"
In: Jahresband der Lindauer Tagung der Internationalen Gesellschaft für Tiefenpsychologie 1999 "Psyche und Transzendenz im gesellschaftlichen Spannungsfeld"

Es versteht sich von selbst, dass es dem Leser / der Leserin überlassen sein muss, die eigenen Konsequenzen aus den auf dieser Homepage dargestellten Materialien über "Innensichten zur Organtransplantation" und aus eigenen Erfahrungen zu ziehen, den eigenen Standort zu suchen. Hier meine persönlichen Überlegungen:

1. Das Sterben in Würde muss gewährleistet sein. Das hat zur Folge, dass nur der Sterbende selbst - und in seiner Vertretung dessen Angehörige - darüber entscheiden dürfen, was mit seinem Körper nach dem Tod geschehen darf , besonders wenn durch die technischen Möglichkeiten der modernen Medizin die Todesdiagnose ("Hirntoddiagnose") nicht mehr direkt erlebbar resp. wahrnehmbar ist.

2. Die Not des lebensbedrohlich Kranken, der sich mit der Hoffnung auf Heilung auf eine Transplantations-Warteliste setzen liess, muss ernst genommen werden. Das heisst ernst nehmen nicht nur des Heilungswunsches, sondern v.a. auch der Todesgefahr, weil es kein Recht auf eine Transplantation gibt oder geben kann: Es gibt nie einen Anspruch auf Organe von Anderen. Sterben auf der Warteliste darf deshalb auch nicht dem sog. Organmangel angelastet werden, sondern ist und bleibt die Folge des eigenen Organversagens resp. der eigenen Krankheit .

 -ORGANTRANSPLANTATION
   SPENDER UND EMPFÄNGER: GEBEN UND NEHMEN (download als pdf-Datei)

Textausschnitt aus Referaten zuhanden des PUBLIFORUM
November 2000 Hans-Rudolf Müller-Nienstedt, Kreuzlingen

1. Die Beziehungen zwischen den verschiedenen Beteiligten am ganzen Transplantations-Geschehen

2. Verhältnis von Spender und Empfänger

In Träumen von Transplantierten lassen sich drei Elemente benennen, die im Zusammenhang mit unserem Thema "Organtransplantationen" wichtig sind:
1. Es geht nicht nur um Fragen von Krankheit und Gesundheit, d.h. nicht nur um einzelne zerbrochene Dinge auf dem Lebensweg, sondern um eine Begegnung mit dem Tod.
2. Die Transplantation ist nicht nur ein bedeutender medizinischer Eingriff, sondern ein grundlegender Eingriff in das Leben des Betroffenen, der um eine Neu-Orientierung nicht herum kommt.
3. Die Transplantation wird nicht nur passiv erlitten. Als Transplantierter bin ich nicht nur Patient, sondern auch aktiv Handelnder. Nach einer Transplantation weiter leben heisst sich der Erkenntnis zu stellen, dass ich mir etwas aktiv und gegen bisherige Regeln oder Tabus verstossend angeeignet habe. Sich etwas aneignen hat wohl immer auch etwas damit zu tun, dass ich es jemandem wegnehme. Leben heißt damit nach der Transplantation für mich, dass ich mir das Leben anmaße, es nicht einfach selbstverständlich bekommen habe. Leben als aggressiver Akt. Um mit einer zweiten Leber weiter leben zu können, musste vorher ein anderer sterben. Ich bin zwar nicht schuldig an seinem Tod. In meinem Traum fühle ich auch keine Schuld, wie ich den schwarzgekleideten Geschäftsmann erschiesse. Es ist, wie wenn ich mir etwas nehme, was für mich bestimmt ist. So nahm ich auch das Angebot der Lebertransplantation an, gab damit mein Einverständnis in diesem "Handel" mit Leben und Tod, der damit rechnet, dass dann jemand transplantiert werden kann, wenn vorher jemand sein Leben verliert.

 -Träume vor und nach einer Transplantation (download als pdf-Datei)

Auszug aus
Hans-Rudolf Müller-Nienstedt: "Organtransplantation: Innensichten (Psychische Aspekte der Organtransplantation)"
· Vortrag im Rahmen des Wintersemesters 2000/2001 des Bildungswerks der Erzdiözese Freiburg in Konstanz
· Vortrag an der GV 2001 der TRANS-HEPAR in Basel

Im Frühjahr 1999 verschickte ich ca. 100 Fragebogen an Transplantierte in der Schweiz und Deutschland. Ich bat sie, mir Träume mitzuteilen, die sie von der Zeit vor resp. nach der Transplantation erinnerten. 35 Fragebogen erhielt ich ausgefüllt zurück, je zur Hälfte von Männern resp. von Frauen.

 
Männer
Frauen
Total
ausgefüllte Fragebogen
18
17
35
mindestens ein Traum berichtet
 4
 9
13
Traum vor der Transplantation
 2
 6
 8
Traum nach der Transplantation
 4
 8
12
Erwähnung des Spenders
 2
 7
 9
"Traum" als konkreten Lebenstraum verstanden
 4
 3
 7


Es scheint, dass die antwortenden Frauen eher auf ihre Träume aufmerksam waren: 9 Frauen gegenüber 4 Männern berichteten mindestens einen Traum. Frauen erlaubten sich auch eher Gedanken daran, dass sie ihr Organ von jemand Fremdem erhalten haben: 7 Frauen, aber nur 2 Männer erwähnen in ihrer Antwort den Spender. Bei den Männern ist umgekehrt die Tendenz ist grösser, die Frage nach Träumen als Frage nach konkreten Lebensträumen zu verstehen.


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